Die Kirche "Johannes der Täufer" in Ennepetal-Voerde

(Johanneskirche Voerde, Lindenstraße 1, 58256 Ennepetal)

Schon seit mehr als 750 Jahren steht im Ortsteil Voerde an markanter Stelle mitten im Dorf die Kirche "Johannes der Täufer". Das 1780/81 unter Pastor Reichenbach im spätbarocken Stil an der Stelle mehrerer Vorkirchen errichtete Gebäude ist nicht nur in seiner äußeren Erscheinung imposant. Erst im Innern entfaltet es seine ganze Schönheit. In diesen alten Mauern wird kirchliches Leben nicht in vergangenen Formen gepflegt und die Erinnerung an eine vergangene Kultur wachgehalten, sondern bis heute vollzieht sich darin lebendiges Gemeindeleben!

Wer die Kirche betritt, ist zuerst einmal beeindruckt. In dem hellen Raum werden die Blicke sofort auf Altar, Predigtkanzel und Orgelprospekt gezogen, die sich in barocker Pracht als eine Einheit zeigen. Dies ist nicht nur kunsthistorisch bedeutsam, sondern drückt etwas aus über drei Hauptstücke evangelischen Glaubens: Anbetung, Wortverkündigung und Lobpreis.

Der Altar, geschmückt mit der Darstellung des letzten Abendmahles Jesu und dem zurückgerafften Vorhang, der das Allerheiligste verbarg, weist auf den Wandel zum "Tisch des Herrn" hin. Hier wird Gott angebetet, angerufen und das Mahl Jesu gefeiert. Über dem Altar ragt die Predigtkanzel hervor, reich geschmückt mit Säulen, Kapitellen und Figuren. Hinter dem Prediger schließt sich die Türe, die mit dem Wort aus Matthäus 10, 20 geschmückt ist: "Ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet." Die Gestalt einer goldenen Taube auf dem Schalldeckel will dies auch verdeutlichen. Über Altar und Kanzel erhebt sich ein (1914 erneuerter) neubarocker Orgelprospekt und dahinter die Orgel (zuletzt 1973 erneuert durch die Firma Führer, Wilhelmshaven). Sie ist die fünfte Orgel in der Geschichte der Gemeinde und verfügt über 29 Register und 1954 Pfeifen.

Bis heute vollzieht sich in dieser Kirche lebendiges Gemeindeleben. In einer seit langen Jahren zu beobachtenden Entwicklung zeigt sich, dass wesentlich mehr Gemeindeglieder am Abendmahl teilnehmen als in früheren Zeiten. Immer wieder finden Menschen in erstaunlicher Zahl den Weg in diese schöne alte Kirche, und das nicht nur zu Hochzeiten und besonderen Festen. Die Gottesdienste sind lebendig und vielgestaltig. Es darf gelacht und auch geklatscht werden. Hervorzuheben sind die Familiengottesdienste. Von der Barockkanzel werden Fragen der heutigen Zeit von der Bibel her beantwortet. So werden Gottesdienste erlebt, zu Erlebnisgottesdiensten.

Wer aufmerksam am gottesdienstlichen Geschehen teilnimmt, hat kaum Gelegenheit, die barocke Vielfalt zur Kenntnis zu nehmen, am wenigsten aber die hölzerne Tonnendecke mit ihren Gemälden. Zu sehen sind die vier Evangelisten und Darstellungen von Jesu Geburt, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt.

Erwähnenswert ist auch der Taufstein in Form eines Kelches, verziert mit kindlichen Engelköpfen. Immer wieder wird das Taufwasser durch die im Gottesdienst anwesenden Kinder zum Taufbecken gebracht und Taufeltern und Paten durch kleine Geschenke aus dem Kindergottesdienstkreis bedacht.

Neues Leben in alten Mauern! Es gilt, die alte Botschaft neu zu entdecken, denn sie ist einmalig und lebendig: Gott wendet sich an die Menschen, er sorgt für sie! Mit all ihren barocken Darstellungen will die Kirche "Johannes der Täufer" darauf hinweisen. Es gibt auch heute unter uns viele Menschen, die sagen: "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt!", wie dies im Südeingang an der Wand zu lesen ist.

W.L.